Exkursion 2017 zum Kartoffelkombinat

Kartoffel haben wir keine gesehen, dafür aber ein spannendes Projekt in der nähe von München, das bereits 1.200 Genossenschaftsmitglieder mit Gemüse versorgt.

Am 9. September besuchten wir im Rahmen des Projektes "Gärten der Vielfalt" eine als Genossenschaft organisierte solidarische Landwirtschaft 35 Kilometer außerhalb von München. Ihr persönlicher Auftrag ist es die breite Gesellschaft anzusprechen und  der Aufbau einer gemeinwohlorientierten Struktur für die regionale, saisonale Lebensmittelversorgung.

Daniel empfängt uns in einer Lagerhalle. Als Sitzgelegenheit hat er uns, wie könnte es anders sein, Gemüsekisten hergerichtet. Nach 4 Stunden Busfahrt, was es zunächst irritierend, sich gleich wieder hinzusetzen, aber sicher sehr wesentlich, um zu verstehen, worum es hier geht. Und alle 20 ExkursionsteilnehmerInnen aus OÖ blieben gebannt von ihrer Geschichte auf den Kisten sitzen.

Daniel und Simon haben sich 2011 über ein paar Umwege kennengelernt, aber gleich gemerkt, dass sie große Gemeinsamkeiten haben, wie zum Bespiel eines ihrer Vorbilder ist "Farmer John". Wer Farmer John nicht kennt, sollte sich den Film über die faszinierende Lebensgeschichte des Alt-Hippies und Großfarmers John Peterson aus Caldedonia, Illionis ansehen. John ist mit Leib und Seele Landwirt!

Zurück zum Kartoffelkombinat. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und vielen positiven Veränderungen haben die Initiatoren nun einen neuen Standort gefunden, der sich gerade im Aufbau befindet. Bereits knapp 1.000 Mitglieder sind Teil der Genossenschaft. Die Genossenschaft arbeitet gerade daran eine ehemalige konventionelle Baumschule Bio-Landbau-tauglich zu machen. Keine einfache Aufgabe, aber bewundernswert, wenn man bedenkt, dass sie den Boden wieder in Stand setzen, so wie er sein sollte.

Viele der GenossenschaftlerInnen haben einen akademischen Abschluss, daher arbeiten sie intensiv daran das gesellschaftliche Bild noch besser abzubilden. Als Genossenschaft profitiert man auch von den Mitgliedern, denn einen Juristen oder ein Fliesenleger zu kennen schadet bei so einem umfangreichen Projekt nie. Daniel sagt, "Das Kartoffelkombinat haben wir komplett für uns gemacht."

Für die Mitglieder soll es Spaß machen mitzuwirken. Es gibt keine Pflichtmitarbeit. Freiwillige werden immer wieder für Projekte wie Glashausabbau, etc. gesucht und auch gefunden. Da kann es schon mal sein, dass 30 Leute auf einmal da stehen und Anweisungen brauchen, damit hier nichts schief geht. 

Das Besondere ist wirklich, dass diese solidarische Landwirtschaft als Genossenschaft geführt wird. Als ganz besonders erachten die Gründer auch die Ressource Boden. Ihr Ziel ist es aus der verlassenen Baumschule, wo mit Spritzmittel nicht gespart wurde, zu einer funktionierenden Biolandwirtschaft umzuwandeln. Derzeit pachten sie viele Flächen, um den Bedarf zu decken, weil ihre eigenen Flächen noch nicht geeignet sind.

Es geht den beiden nicht in erster Linie um das Gemüse, es geht ihnen auch um ein anderes Wirtschaften und hier haben sie Unterstützung in Österreich gefunden. 2014 machten sie erstmals eine Gemeinwohlbilanz im Sinne der Gemeinwohlökonomie. Hier sind sie unter den Top 5 Betrieben. https://www.ecogood.org/de/

Kämpfen müssen sie immer wieder mit dem üblen Beigeschmack der Rückständer der Baumschule, mit Schwarzbauten am Grundstück, mit dem zu kleinen Kurvenradius für die Feuerwehr usw. Aber wie Daniel sagt, "Wir wollen die Realität verändern." so müssen Sie auch diese Herausforderungen Schritt für Schritt meistern.

95 Verteilpunkte in ganz München mit durchschnittlich 42 Kisten pro Liefertag werden versorgt. Die Ausstiegsquote liegt bei 10%. Ziel ist es jährlich 350 Haushalte dazuzugewinnen. Das unübliche ist wie gesagt, dass allen das Land und die Produktionsmittel gehören.

Wir wünschen dem Kartoffelkombinat viel Glück und gutes Gelingen!

Hier ein paar Impression von unserem Tag beim Kartoffelkombinat:

Kartoffelkombinat Exkursion 2017

Mehr dazu unter www.kartoffelkombinat.de

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