Jahreserklärung 2015 - Wagenfelder Erklärung

Moorschützer und -nutzer ziehen an einem Strang:
Kommunen, Naturschützer, Torfindustrie und Landwirtschaft fordern Neuausrichtung der europäischen Moorschutzpolitik

Jahreserklärung 2015 des Europäischen Bodenbündnisses ELSA e.V.

Moorschutz als kommunaler Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz


(Wagenfelder Erklärung)


Moore sind ein Vermächtnis der Eiszeit nach dem Rückzug der Gletscher vor rund 10.000 Jahren. Sie sind von großem ökologischem und gesellschaftlichem Wert und prägen seit Jahrtausenden das Gesicht unserer Landschaft. Großflächige und tiefgründige Moore befinden sich in Nord-, Mittel- und Osteuropa. In vielen Regionen wird Torf weiterhin unvermindert für die Energiegewinnung und den Gartenbau in großen Mengen abgebaut. Übrig geblieben sind nur sehr wenige unberührte natürliche Restgebiete. Als besonders gefährdet gelten dabei die Hochmoore.


Das in der Atmosphäre vorhandene CO2 wird von den lebenden Pflanzenteilen aufgenommen. Abgestorbene Pflanzenteile speichern dann den Kohlenstoff dauerhaft in Form von Torf. Die Anreicherung von organischer Substanz in intakten Mooren führt zu einer dauerhaften Senkung des CO2-Gehaltes in der Atmosphäre und wirkt somit langfristig der allgemeinen Klimaerwärmung entgegen. Für das Europäische Bodenbündnis ist ein umfassender, weitreichender Moorschutz daher ein wirksamer Beitrag des Bodenschutzes zum Klimaschutz.
Darüber hinaus bilden Moore einen der wertvollsten Lebensräume für selten gewordene Pflanzen- und Tierarten. Sie sind wichtige Brut- und Rastplätze für Stand- und Zugvögel. Moore erfüllen bemerkenswerte Archivfunktionen, die Aufschluss über die Natur- und Kulturgeschichte nach der letzten Eiszeit geben.


Zum Schutz und zur Wiederherstellung der Moore müssen alle Akteure wirksame Beiträge leisten:

1. Moore durch Schutzgebiete und Maßnahmen erhalten

In Mooren kommen überdurchschnittlich viele standortgebundene „Rote-Liste-Arten“ an Pflanzen und Tieren vor. Moore müssen daher zwingend Bestandteil einer Biodiversitätsstrategie sein. Nur wenn den einzelnen Arten oder Lebensgemeinschaften geeignete Lebensräume in ausreichender Größe zur Verfügung stehen, besteht die Chance, dass sie überleben. Dafür werden Schutzgebiete in entsprechender Größe und Anzahl  in ganz Europa benötigt.
Gleichzeitig sind gezielte Strategien, Konzepte und Maßnahmen zum Erhalt, zur Renaturierung und zur nachhaltigen Nutzung von Mooren zu entwickeln und umzusetzen. Diese beinhalten beispielsweise Vorschläge in den Bereichen Wassermanagement, Arten- und Biotopschutz sowie die Nutzung und Pflege durch die Land- und Forstwirtschaft.

2. Moorschutzmaßnahmen finanzieren


Pflegeleistungen sind Voraussetzung für eine nachhaltige Nutzung und müssen entsprechend vergütet werden. So können z. B. die Landwirte weiterhin die Flächen bewirtschaften und finanzielle Einbußen durch Nutzungsbeschränkungen ausgeglichen werden.
Angesichts des großen Einsparungspotenzials an CO2-Emissionen (rund 30 Tonnen CO2-Äquivalente pro Hektar und Jahr) durch gezielte Wiedervernässung von Mooren könnten entsprechende Leistungen des Moorschutzes für den Klimaschutz durch Emissionsbeiträge kompensiert werden.

3. Torf im Gartenbau deutlich reduzieren

Im privaten Bereich ist das Gärtnern mit torffreien Erden auch heute schon möglich. Immer mehr Anbieter haben torffreie Erden in guter Qualität in ihrem Angebot.
Eine begleitende Anwendungsforschung kann dazu beitragen, um Stoffe wie Kompost, Pflanzenfasern etc. einwandfrei, kostengünstig und flächendeckend einzusetzen. Ziel muss es sein, gezielt nach Alternativen für die Minimierung und langfristig für den Ersatz von Torf auch im Erwerbsgartenbau zu suchen.

4. Anreize für standortgerechte Nutzungen schaffen

Die subventionierte Unvernunft wie z.B. der Maisanbau auf Moorböden ist so bald wie möglich auf nationaler und europäischer Ebene einzustellen.
Der dem Moorschutz dienende nasse Anbau von Pflanzen, wie Schilf oder Rohrkolben als auch die Kultivierung von Torfmoos muss daher zukünftig den Landwirten eine wirtschaftliche Alternative bieten.


Angenommen durch die ELSA Mitgliederversammlung
vom 12 Juni 2015 in Wagenfeld (D)

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