Wildbienen und der Kuckuck

Sommer - Infobox

Wer Wildbienen beim eigenen Insektenhotel genauer beobachtet, entdeckt vielleicht, dass nicht alle Bienen emsig am Pollen- und Nektarsammeln sind. Manche Arten klettern gemütlich herum, nur um blitzschnell in fremden Brutröhren zu verschwinden, sobald die „Hausherrin“ ausgeflogen ist.

In diesem Fall sind wir einem Brutparasiten auf die Schliche gekommen, einer so genannten Kuckucksbiene. Etwa ein Viertel aller Wildbienen zählt zu ihnen. Kuckucksbienen sind oft hochspezialisiert auf ihre Wirtsbienen, in deren Nester sie ihre Eier legen. Somit „sparen“ sie es sich, selbst Proviant für den Nachwuchs zu sammeln: Die fertigen Brutzellen der Wirtsbienen werden entweder aufgebrochen, das Kuckucks-Ei hineingelegt und die Brutzelle wieder verschlossen. Oder die parasitischen Bienen schlüpfen in eine fremde, noch unverschlossene Brutröhre zur Eiablage. Wenn die Larven der Kuckucksbienen schlüpfen, fressen sie das fremde Ei oder die fremde Larve und lassen sich den Pollen-Proviant der fremden Wildbiene schmecken.

Auf Wildbienen warten auch noch andere, unerbetene Gäste. Zu den wohl schönsten gehören die „fliegenden Edelsteine“ – die Goldwespen. Ihre Larven sind strikte Fleischfresser. Sie warten bis die Bienenlarve den gesamten Pollenvorrat gefressen hat und schön dick ist, dann fressen sie die wehrlose Wildbienenlarve.

Dieses faszinierende Wechselspiel zwischen Wirt und Parasit lässt sich gefahrlos am eigenen Insektenhotel beobachten – Wildbienen stechen kaum und fühlen sich durch die menschliche Anwesenheit bei ihren Brutzellen nicht gestört. Wer die emsigen Bestäuberinnen unterstützen will, kann ihnen am besten mit einem möglichst vielfältiges Nahrungsangebot in der Nähe helfen: Dann müssen sie nicht so weit für das Futter-Suchen fliegen und ihre Brutzellen sind nicht so lange unbewacht. Gegenüber Kuckucksbienen und -wespen sind die sonst so friedlichen Wildbienen nämlich alles andere als sanftmütig und wissen sich zu wehren.

Nahrung für die Bienen:

Mut zum Natürlichen: Vermehrt Blühstreifen und spontan wachsende Vegetation als kleine Oasen im Garten zu- bzw. beim Mähen stehen lassen. Ungemähte Teilgebiete im Garten so anlegen, dass sie als Schlafplatz für Wildbienen auch über den Winter bleiben dürfen.
Kunst des Nicht-Mähens: Ein guter Mähzeitpunkt von Wiesen ist entweder sehr früh oder spät am Tag, da Bienen in erster Linie um die Mittagszeit aktiv sind. Wenn möglich sollten benachbarte Wiesen zeitlich versetzt gemäht werden, damit die Bienen ausweichen können. So praktisch ein Rasenroboter auch sein mag, ein Bienenfreund ist er nicht.
Blumenwiese statt Rasenfläche: Wenn Teile des Rasens in bunte Blumenwiesen verwandelt werden, freuen sich die Bienen besonders. Der Folder „Bienenfreundlich Garteln“ von Bodenbündnis OÖ bietet eine Schritt für Schritt Anleitung zur eigenen „Bienenwiese“.
Weniger mähen ist mehr: Für solche Blumenwiesen sind 1–2 Mahden während der Vegetationsperiode ausreichend. Am besten mäht man mit einer Sense, da sie insektenschonend ist. Das Mähgut bitte nur wenige Tage liegen lassen: Es wäre ein natürlicher Dünger, den die Blumenwiese nicht braucht.
Gartel‘n ohne Gift: Wer seinen Garten bienenfreundlich gestalten will, sollte auf synthetische Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel verzichten. Denn die treffen oft nicht nur die angepeilten Plagegeister, sondern auch andere Arten. Obendrein landen die Giftstoffe früher oder später auch in unserer Nahrung. Das Bodenbündnis OÖ bietet mit dem kostenlosen Folder „Gartel‘n ohne Gift“ wertvolle Tipps und Alternativen an.
Bienentränke schaffen: Wer kein Gewässer in der Nähe hat, kann Bienen bei Trockenperioden Wasser anbieten: Eine einfache Wasserschüssel mit herausragenden Steinen erfüllt schon ihren Zweck.

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